16# Die Liste

Gut ist die Bürokratie, wenn sie einem einen Überblick verschafft. Und auch wenn es spießbürgerlich erscheint, bin ich ein Verfechter der Liste [geworden].


So eine Liste zeigt einem Dinge, die man nicht sieht [oder sehen will] und verpflichtet zur Transparenz und Ehrlichkeit vor allem mit sich selbst. Die Liste belohnt einen aber auch mit sichtbaren Teilerfolgen und dokumentiert den Mehrwert der eigenen Tätigkeit. Und der wächst und wächst und wächst…


Listen helfen bei der Ideenfindung genauso wie das Schreiben dem Autor hilft, zu denken.


Und wenn es mal in einem Moment des Hormonabfalls ganz hart werden sollte und Ihr alles hinschmeißen wollt, weil Ihr denkt, Ihr schafft das nicht, könnt Ihr Euch an Eurer Liste festhalten.


Heute schenke ich Euch so eine tolle Liste. Es soll Eure Liste sein. Ihr dürft Sie bearbeiten, umkrempeln, Zeilen löschen und hinzufügen, bekritzeln, anmalen, beschneiden, verwerfen und neu schreiben. Alles was Ihr wollt. Es ist Eure Liste ♥!

 

 

Ich liste so: Alles was ich an Gebrauchsgütern neu kaufe, kommt in die Liste mit Kosten ohne Versandkosten. Alles was ich an Gebrauchsgütern verkaufe, kommt in die Liste mit Erlös ohne Versandkosten. Da ich ungefähr die gleiche Menge an Paketen rein und rausschicke, lass ich das einfach. Es würde den Warenwert verfälschen. Damit habe ich meine Kosten für Versand allerdings nicht gelistet.


Wenn ich etwas auf eBay verkaufe, decken bei kleineren Beträgen die Versandkosten die anteilige eBay-Gebühr mit ab. Ich versende in gebrauchten (Schuh-)Kartons oder Umschlägen. Bei größeren Erlösen ziehe ich die eBay-Gebühr von 10 Prozent anteilig vom Verkaufspreis ab.


Ich schreibe Verbrauchsgüter wie Kosmetik oder Papier nur einmalig auf, auch wenn ich in 100 Tagen mehr davon verbrauche. Ich schreibe Lebensmittel gar nicht auf.


Was einen √ bei Plastik hat, kann nicht nachhaltig sein. Bioplastik, die als kompostierbar angepriesen wird, wurde nur selten wissenschaftlich getestet. Hier muss ich nachfragen. Ohne Studie geht hier nichts! Was nachhaltig ist, wird grün. Was ich verschenkt oder weggeschmissen habe, wird gelöscht. Was verschwinden soll, wird grau. Was bleibt, bleibt weiß.

Als ich mit der Liste angefangen habe, hatte ich mich noch nicht entschlossen, dass ich diesen Blog schreiben werde. Ich habe meine erste Liste leider nicht mehr und es wäre listig, aber nicht wahrheitsgetreu, rekonstruierte Anfangsdaten zu nennen. Sichtbar war, dass ich beim Ausfüllen nur sehr selten die Farbe Grün verwenden konnte. Bis dato dachte ich, ich lebte schon ziemlich nachhaltig. Dachte ich! Ich machte Bio-Mode, arbeitete in einem Bio-Modeladen, hatte Bio-Strom, Jutebeutel und einen Stadtgarten auf dem Balkon. Ich kaufte Bio-Milch und Bio-Eier und immer öfter Bio [Warum immer alle mit der Milch und den Eiern anfangen ?] und lebte ansonsten sparsam. Was ich nicht mehr wollte, verkaufte oder verschenkte ich. Das ist doch nachhaltig. Pustekuchen! In dem ganzen Unrat, den ich hatte, waren unverwertbare Teile verbaut, die ich zuvor vernachlässigt hatte. Auch hatte ich wenig, was pur war. Das Recycling dieser Mischwerke bedarf zusätzlichem Trennens und kann daher nur als bedingt nachhaltig eingestuft werden. Die Liste half ungemein bei der Bewertung neuer Produkte. Und weil ich die Liste hatte, verzichtete ich öfter – nun aber mit einem angenehmen Gefühl. Mit der Liste kam der Entschluss alles dem Cradle-to-Cradle-Prinzip unterzuordnen. Und in der Liste machten sich gut designte regionale Produkte zu einem fairen Preis besonders gut. Ein Hoch für Made in Germany.


Ich verspreche Euch am Ende dieser 100 Tage meine Liste zu veröffentlichen. Der Transparenz zuliebe. Mit Ehrlichkeit und Mut zur Lücke. Für die Schlussbilanz und natürlich die Umwelt.


Bei meiner Liste,
Ciao Sandra

 

03/06/2017