90# Cradle to Cradle

Von der Wiege zu Wiege oder besser gesagt Von der Wiege zu Bahre umschreibt das Kreislaufdenken des Cradle to Cradle Prinzips. Es ist eine ganz neue Art des Designs, Wirtschaftens und Handelns, das in abgewandelter Form in allen alten Kulturen der Welt umgesetzt wurde. Mit der Industrialisierung und dem Massenkonsum, mit der Plastik und der Elektrizität wuchsen bei uns auch die Müllberge. Cradle to Cradle setzt genau hier an. Der Chemiker Michael Braungart und der Architekt William McDonough haben in ihrem Buch Cradle to Cradle diese neue Art des Wirtschaftens erklärt.

 

Wir leben in einer Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten, wollen wirtschaftlichen Wachstum und stehen nun verknappten Ressourcen und dem Klimawandel gegenüber. Was wir im Industriellen Zeitalter übersehen haben, war unser lieber Müll. Wir brauchen unseren Müll. Ja wir müssen ihn sogar lieben lernen! Denn er ist nichts anderes, als ungenützte Ressource.


Die Natur lebt es uns bereits vor. Sie produziert im Überfluss. Und das, was nicht genutzt wird und abstirbt, verrottet und bildet den Boden für neues Wachstum.


Übersetzt muss alles, was wir Menschen produzieren und nicht mehr gebrauchen, Kapital sein für Neues. Und das stellt Designer, Ingenieure und Produzenten vor ganz neue Herausforderungen. Nehmen wir das Papier. Denn das funktioniert bereits sehr gut. Papier und Kartons werfen wir in die Altpapier-Container, es wird recycelt und wir können Altpapier kaufen als Papier, Taschentücher, oder Kartons. Das schont die Umwelt, denn dieses Recyclingpapier kann mit viel weniger Wasser und ohne der Fällung von Bäumen hergestellt werden. Und seien wir mal ehrlich, wieviel von den Dokumenten, die wir tagtäglich drucken und herstellen, sind wirklich für die Ewigkeit bestimmt? Bei mir bisher keines. Daher verwendet Humanity ausschließlich Recyclingpapier.


Wir recyceln Glas und Metall.


Kunststoffe werden größtenteils verbrannt. Denn zu inhomogen ist der Gelbe Sack. Zu bunt, zu viele undefinierbare Materialien und zu viele verschiedene Verbundstoffe, als dass diese leicht getrennt werden könnten. Geschieht das Verbrennen in den modernsten Anlagen mit Nanoluftfiltern, bleibt saubere Luft, aber auch Schlacke übrig. Es kostet viel Energie, viel Geld und der Klumpen undefinierbarer und auch toxischer Stoffe wird verbuddelt oder seit Neuestem im Asphalt verwendet. Im Grunde ist es dennoch Ressourcenverschwendung. Die Natur kann aus CO2, O2 und H2O wieder Cellulose zaubern. Doch es dauert, bis ein Baum gewachsen ist. Leider besteht Plastik nicht ausschließlich aus einfachen Kohlenstoffketten. Der Rest gelangt in den Boden, ins Grundwasser, in die Luft und auch in unseren Körper. Es wird geforscht, wie man Plastik nachhaltig recyceln kann. Und vielleicht wird in Zukunft dieses Material keine Probleme mehr bereiten. In Zeiten der Intransparenz, in denen selbst Produzenten nicht wissen, welches Material sie genau vor sich haben, in der Farbstoffe undefiniert sind und das Zusammenspiel von allem als Black Box bezeichnet wird, kann ich der Plastik nur entsagen, wenn ich müllfrei leben will. Ausnahme bilden Bio-Kunststoffe, die ressourcenschonend hergestellt werden und wirklich schnell und schadstofffrei verrotten. Wie sich zeigte, ist auch das auch noch Forschung.


Als Modedesignerin bleiben mir die natürlichen Ressourcen: Das Metall, die Naturfasern, das Holz, Steine und als Trägermaterial Wasser. Das Produkt muss so designt sein, dass der Konsument es leicht in den entsprechenden Kreislauf zurückführen kann. Das Papier ins Altpapier. Das Metall in den Kleinschrott-Container. Oder in Hamburg ins bunte Altglas. Denn alles wird geschreddert und mit Infrarot und Magneten sortenrein getrennt. Meine ungebleichten und ungefärbten Bio-Stoffreste werfe ich, wenn ich sie wirklich nicht mehr verwendet kann, in den Biomüll. Sie bestehen aus Beta-Celluloseketten und können zusammen mit den Alpha-Celluloseketten meines Bioabfalls verrotten. Plastikgarne, -etiketten und undefinierbare Farbstoffe verwende ich nicht. Und so habe ich, wenn ich keine Plastik konsumiere, am Ende keinen Müll mehr. Ohne mich zu kasteien und ohne, dass mir etwas fehlt. Das ist Zerowaste in der Moderne. Das ist Cradle to Cradle, der Luxus im Minimalismus. Gutes Design, schadstofffrei und Natur pur. Wir können von Mutter Natur noch so viel lernen.


Und nun ein Rätsel für Dich:

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Ein Stuhl ist Cradle to Cradle, der andere nicht. Beide sind aus natürlichen Rohstoffen und plastikfrei gefertigt. Doch nur ein Design verdient es Cradle to Cradle genannt zu werden. Welcher ist es Deiner Meinung nach? Schreib in die Kommentare Deine Meinung. Die Auflösung gibt es am Ende der 100 Tage.

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16/08/2017